Unsere Coworker: Drift & Noise Polar Services GmbH

Weiße Weiten, nichts als Eis und Wasser unterm Kiel. Und Nebel vor der Nase. Auf dem Weg durch die Eisfelder der Arktis oder auch Antarktis lässt sich schwerlich „auf Sicht“ fahren. Will man seinen Weg durch das sich ständig verändernde Gebiet rund um die Polkappen finden, weisen sogenannte Ice-Pilots den Weg. Schiffslotsen also, die sich notwendiges Kartenmaterial zur Lage der Eisschollen aus diversen Informationsquellen händisch zusammensuchen. Ein mühsamer Vorgang – und in seiner Aktualität an Bord schließlich eher dürftig.

Der Geophysiker Dr. Lasse Rabenstein, lange tätig am Alfred Wegener Institut und der ETH Zürich, entwickelte zusammen mit zwei Kollegen dafür eine Lösung. Und die ist nicht nur zeitsparend und bequem. „Wir nutzen diverse Satellitendaten, um hochauflösende Eiskarten für die Schifffahrt in Echtzeit zur Verfügung zu stellen“, erklärt Lasse. Ganz simpel eigentlich, oder? Was in Laienohren erst einmal wenig revolutionär klingen mag, bedeutet für die Branche gleich mehrere Vorteile und einen ordentlichen Gewinn. Das Problem ist nämlich nicht nur das Zusammensuchen der Satellitenbilder. Fährt ein Schiff in den arktischen oder antarktischen Gewässern herum, ist die Dichte der verfügbaren Daten gebietsabhängig. Je nach staatlichen Interessenlagen. Wenig luxuriös ist aber auch das versendbare Datenvolumen – und damit die Qualität der visuellen Darstellung. „Die Antarktis ist da ziemlich stiefmütterlich, was die Nutzung der Daten zur Planung von Routen betrifft“, so der Geophysiker. Nun, es geht einfacher. Drift & Noise übernimmt all das lästige Drumherum, das Suchen, die Aufbereitung und Volumenanpassung der verfügbaren Informationen, sammelt, bündelt und aktualisiert im Zweistundentakt. „Das spart den Ice-Pilots einen Haufen Arbeit und garantiert die Aktualität der Eiskarten“, umreißt Lasse das Angebot. „Wir haben das System auf der Polarstern promotet. Der Kapitän war ein alter Hase und meinte am Schluss: Mit seiner Erfahrung hätte er vier Tage durchs Eis gebraucht – mit unserer Technik waren es nur zwei.“ Drift & Noise bietet also mit seinem System nicht nur eine angenehme Arbeitserleichterung, sondern liefert knallharte wirtschaftliche Argumente: „Unser Mehrwert ist vor allem die Automatisierung. Das Programm checkt alle paar Minuten die Datenlage und produziert kontinuierlich neue Karten, die die aktuelle Eissituation in Echtzeit wiedergeben. So lässt sich ökologischer und ökonomischer durchs Eis fahren“, betont Lasse.

Eine Menge Einsparpotenzial also. Die Vorteile liegen auf der Hand, der Markt ist da, los geht’s? „Die Herausforderung ist der sehr konservative Markt“, seufzt Lasse und lächelt. Erfahrene Kapitäne von diesem neuen System zu überzeugen ist der Schlüssel zum Erfolg. Aber er ist zuversichtlich. „Wir müssen es den Ice-Pilots so einfach wie möglich machen. Wenn sie unseren Service mit an Bord nehmen können und der ihnen eine ganze Menge anderer Arbeiten auch noch abnimmt, haben wir sehr gute Chancen.“ Wie heißt es: Der kürzeste Weg durchs Eis ist um das Eis herum? Tja, vielleicht gehört diese alte Binsenweisheit dann bald zum Seemannsgarn.

 

Drift & Noise Polar Services GmbH

Dr. Lasse Rabenstein gründete 2014 zusammen mit seinen Co-Gründern, Dr. Stefan Hendricks, Dr. Thomas Krumpen und Matthias Verbeke, die Drift & Noise Polar Services GmbH aus dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven heraus. Bereits 2012 bewarb er sich bei der Helmholtz-Initiative und erhielt eine Förderung. Sein damaliges Produkt: ein Gerät zur Polareisvermessung. Einen umfangreichen Auftrag erhielt Drift & Noise 2016 und auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) stieg als Förderer ein. Bei Drift & Noise arbeiten neben den Gründern zwei weitere Mitarbeiter: Dr. Paul Cochrane und Panagiotis Kountouris entwickeln die Software und die Algorithmen hinter den Eiskarten.

www.driftnoise.com

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